Es ist ein besonderer Besuch. Der Dienst zur betrieblichen Inklusion ist in der Mensa des Studierendenwerks in der Friedrich-Loeffler-Straße zu Besuch. Dort sind drei Menschen tätig, die wir begleiten und unterstützen, ob auf ausgelagerten Arbeitsplätzen oder im Rahmen des Budgets für Arbeit. Drei Menschen, drei Arbeitsplätze, drei ganz unterschiedliche Wege in die Arbeitswelt. Und mittendrin und einer von den Dreien: Herr Zeip. Ein Mitarbeiter, für den die letzten Tage in der Mensa angebrochen sind.
Seit 2019 gehört er hier zum Team. Fast sieben Jahre voller Arbeit, Begegnungen, Routinen und vieler kleiner Geschichten, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht. Jetzt ist sein vorletzter Arbeitstag. Und irgendwie liegt an diesem Tag schon etwas in der Luft. Ein bisschen Aufregung. Ein bisschen Wehmut. Und auch Vorfreude. Denn die Kolleg*innen planen für seinen letzten Tag einen kleinen Abschied. Herr Grothmann, der Chef vor Ort, nimmt das Ganze mit Humor. Ganz unter Männern, kumpelig und mit einem Augenzwinkern, erzählt er, dass Herr Zeip eigentlich vorgehabt habe, „ihn (dienstlich) zu überleben“. Doch daraus wird nun nichts – zumindest nicht ganz: Der Chef bleibt noch ein halbes Jahr länger. Man merkt schnell: Hier geht jemand nicht einfach nur von einem Arbeitsplatz. Hier verabschiedet sich ein Mensch von einem Stück Alltag, das ihn über viele Jahre begleitet hat.
Aber: Es ist kein Abschied vom Arbeitsleben.
Aufgrund seines Alters steht ein Wechsel der Tätigkeit an. Künftig wird er wieder im Arbeitsbereich der Werkstatt tätig sein. Ein Teil seiner Aufgaben wird im hauswirtschaftlichen Bereich liegen, der Schwerpunkt aber im Montagebereich. Und das Besondere daran? Dort ist er keineswegs ein Fremder. Viele Jahre hat er bereits in diesem Bereich gearbeitet. Er kennt die Abläufe, die Arbeit – und vor allem viele der Menschen dort. Entsprechend groß ist die Freude auf das Wiedersehen. Ein neues Kapitel also. Mit einigen bekannten Seiten. Das zeigt, dass auch ein Wechsel nach vielen Jahren kein Rückschritt sein muss. Es kann vielmehr ein neuer, passender Schritt sein – angepasst an die aktuelle Lebenssituation und die eigenen Bedürfnisse.
Drei Menschen. Drei Geschichten. Drei unterschiedliche Wege.
Was sie verbindet, ist die Möglichkeit, ihren eigenen Platz in der Arbeitswelt zu finden. Und vielleicht ist genau das Inklusion: nicht für alle denselben Weg zu bauen, sondern unterschiedliche Wege möglich zu machen. Der Abschied in der Mensa fällt deshalb nicht leicht. Ein bisschen traurig sind sie schon, die Kolleg*innen. Und auch bei ihm ist die Wehmut spürbar. Aber da ist gleichzeitig dieses Lächeln. Denn hinter dem Abschied wartet schon etwas Neues. Neue Aufgaben. Alte Bekannte. Neue Routinen. Und vor allem die Gewissheit: Es geht weiter. Wir freuen uns über die vielen unterschiedlichen Wege, die berufliche Teilhabe möglich machen.
Denn am Ende zählt nicht, dass alle denselben Weg gehen. Sondern dass jede*r den eigenen finden kann.